Die Geschichte des Zollergaues

125 Jahre Zollergau im Schwäbischen Albverein

Bei der Herbstversammlung des Schwäbischen Albvereins am 22.11.1891 in Plochingen beschloss das Gremium, das Vereinsgebiet in Gaue einzuteilen. Nach dem Lichtensteingau am 08.01.1892 wurde der Zollergau am 31. 01.1892 als 2. Gau gegründet, damals unter dem Namen Eyach – Starzel – Steilachgau.  Er umfasste von den Oberämtern Tübingen und Rottenburg die Gebiete vom Neckar bis zur Alb, das Oberamt Hechingen mit Ausnahme von Stetten unter Holstein und Hörschwag, die Oberämter Haigerloch und Balingen mit Onstmettingen, aber ohne das Revier Ebingen, vom Oberamt Gammertingen die Orte Melchingen, Ringingen und Salmendingen. Die 1. Gauversammlung fand am 31.01.1892im Gasthaus Museum in Hechingen statt, Amtsrichter Knorr wurde zum 1. Gauobmann gewählt. Bis zum Ende des 1. Weltkriegs war Hechingen mehr oder weniger der Sitz des Gaues und die OG Hechingen stellte die Gauobmänner. Bereits im Gründungsjahr wurden die Schutzhütten auf dem Dreifürstenstein und auf dem Zellerhorn eingeweiht. Hunderte von Gästen wohnten der dortigen Feier bei, die wegen Cholera fast abgesagt werden musste. Durch die persönliche Freundschaft von Professor Nägele und dem damaligen Vertrauensmann der OG Hechingen Ludwig Egler bestanden bis in die Dreßigerjahre des letzten Jahrhunderts sehr enge Beziehungen zwischen Hauptverein und Zollergau. Am 08. 10. 1899 wurde die bescheidene Lochenhütte eingeweiht, die bis heute besteht.

Bei der Gauversammlung am 11. 03. 1900 in Balingen wurde beschlossen, Ebingen und Umgebung vom Donau-Schmeie-Gau, dem heutigen Oberen-Donau-Gau in den Zollergau aufzunehmen. Damit waren die Grenzen des Zollergaus nach Süden endgültig festgelegt.In Ebingen wurde am 17. September 1899 der Schloßfelsenturm eingeweiht, wobei sich der Albverein Rühmen darf, „wenigstens 4 Meter “ mitfinanziert zu haben, was Prof. Nägele bei dei Einweihungsfeier ausdrücklich betonte. Im Jahr 1913 erschien in den „Albvereinsblättern eine Übersichtskarte, in der die Bereiche Tübingen, Rottenburg, Haigerloch und Rosenfeld dem Oberen-Neckar-Gau zugeschlagen wurden, die OG Haigerloch kehrte 1974 zum Zollergau zurück. Durch den 1. Weltkrieg wurden die Aktivitäten des Albvereins immer weniger und eine lange Aufwärtsentwicklung endete. 1924 konnte dien durch die OG Onstmettingen wieder aufgebaute Schutzhütte auf dem Zellerhorn erneut ihrer Bestimmung übergeben werden. Ebeso wurde wurde die während des Kriekes abgebrannte Schutzhütte auf dem Dreifürstenstein durch Prof. Nägele wieder eingeweiht. Diese wurde dann 1977 durch die OG Mössingen renoviert.

Schon bei der Gauversammlung 1913 stellte die OG Onstmettingen den Antrag zum Bau eines Aussichtsturms auf dem 958 m hohen Raichberg. Der 1. Weltkrieg und die nachfolgende Inflation verzögerte jedoch diese Projekt. Erst bei der Hauptversammlung 1926 in Balingen gab der Vorsitzende Prof. Nägele grünes Licht für die weitere Planung eines Aussichtsturms sowie eines Wanderheims.1927 wurde dann bei der Hauptversammlung in Ulm beschlossen, diese Baumaßnahme anzugehen. Im August 1928 konnte dann unter „vieltausendfacher Beteiligung aus nah und fern“ das 40-jährige Jubiläum des Albvereinszusammen mit der Einweihung von Aussichtsturm und Wanderheimgefeiert werden. Den Abschluß bildete ein großes Feuerwerk. 1933 wechselten die Ortsgruppen Ofterdingen und Nehren zum Tübinger Gau.

Der Aufschwung nach dem Ende des 1. Weltkriegs fand aber 1934 ein jähes Ende, mehr als 2700 Mitglieder verließen den Albverein. Massenarbeitslosigkeit sowie die Machtergreifung Hitlers erforderte eine Neuausrichtung. Hauptsächlich die Anordnung Hitlers, die Jugend in der „Hitlerjugend zusammen zu fassen bedeutete eine Zäsur.Der Schwäbische Albverein bekam die Aufgabe, „das Ringen um die Volksgemeinschaft und Pflege der Heimat-und Vaterlandsliebe“ zu betreiben. In Folge trat Gauobmann Prof. Baur zurück, da er nicht Mitglied der NSDAP war. Auch viele Vertrauensmänner legten ihr Amt mit der Begründung „anderweitiger Überlastung“ nieder. Die Veranstaltungen mussten vielfach zusammen mit der NS-Organisation „Kraft durch Freude“(KDF) durchgeführt werden. Diese Organisation hatte eigene Orts- und Kreiswanderwarten und wurde zu einer starken Konkurrenz. Das 50-jährige Bestehen des Albvereins1938 bestätigte zwar die Tätigkeit des Vereins für die Allgemeinheitunter der neuen Maxime „für Führer und Volk, für Vaterland und Heimat“. Ab 1940 mussten die Jugendorganisationen aufgelöst werden, 1941 fand die letzte Gauwanderung zum Nägelehaus statt. Das Erscheinen der Albvereinsblätter wurde eingestellt, das Nägelehaus wurde beschlagnahmt und mit polnischen Kriegsgefangenen belegt, 1942 übernahm die Luftwaffe das Haus, der Raichberg wurde Militärgebiet zur Überwachung des Luftraums. Die Wanderbewegung kam völlig zum Erliegen, man kämpfte für den Endsieg und erlebte die totale Niederlage. Mit der französischen Besatzung kamen 1945 zuerst Marokkaner auf den Raichberg, danach war das Nägelehaus dann Ferienheim für französische Schüler.

1949 wurde das Haus dann wieder freigegeben. Im gleichen Jahr fand im Zollergau die 1. Gauwanderung nach dem Krieg zum Nägelehaus statt und 1950 die 1. Sternwanderung zum Raichberg. Die 1. Gauversammlung 1953 war in Hechingen. Eine ganze Reihe von Ortsgruppen hatten sich  in den Kriegs- und Nachkriegsjahren ganz aufgelöst und wurden in den 1950ger-Jahren wiederbelebt oder neu gegründet. Schon 1950 wurde wurde von der Albvereinsjugend Balingen  eine Volkstanzgruppe gegründet. Es wurden wieder Wanderpläne erstellt und die ersten Busausfahrten kamen auf, bis in die Alpen und nach Südtirol. Dadurch entstand neue Begeisterung und ein kräftiger Aufschwung bei den Mitgliederzahlen. Mit Gaujugendwart Alfred Jenter kam ab 1958 Schwung ins Jugendwandern und neue Volkstanzgruppen entstanden. 1960 wurde unter Mithilfe amerikanischer Militärubschrauber der Aussichtsturm auf der Schalksburg gebaut. 1965 trat der verdiente Gauobmann Willy Baur zurück. An seine Stelle trat trat Gregor Götz, damals Bürgermeister von Margrethausen. Die Jugend lag ihm sehr am Herzen und er legte sich kräftig ins Zeug, als die 1964 vom Hauptverein erworbene ehemalige Silberfuchsfarm zum Jugendzenrum umgebaut wurde. 1965 fand das 1. Jugendzeltlager statt. Seither haben tausende Kinder und Jugendliche dort die Natur unserer Heimat kennen- und schätzen gelernt. 1984 fand eine umfassende Renovierung statt.

1980 kaufte der Albverein das ehemalige Dürrwanger Rathaus. Mitglieder der Volkstanzgruppe Frommern renovierten in tausenden von Arbeitsstunden das Haus und machten ein Wanderheim daraus, in dem bis heute viele Seminara und Lehrgänge stattfinden und alle Musik- und Tanzgruppen ihre Heimat haben, ebenso  das schwäbische Kulturarchiv. 2003 wurde das benachbarte Jetterhaus gekauft und ebenfalls grundlegend modernisiert. Damit hat das Wanderheim endlich auch mehr Übernachtungsmöglichkeiten sowie zusätzliche Veranstaltungsräume.

Eine gemeinsame Gauausfahrt mit der Bahn an den Bodensee im Jahr 1926 war Vorbild für die Gauwanderzüge, die jährlich von 1969 bis 1997 durchgeführt wurden und bis zu 1000 Teilnehmer in die Züge lockten. Oft wurde die Lok von unserem langjährigen Gauwegmeister Otto Müller gefahren.

Die 1970er und 80ger-Jahre brachten große Veränderungen im Freizeit- und Wanderverhalten. Die zunehmende Motorisierung sowie immer mehr andere Freizeitangebote waren oft eine Konkurrenz für die Ortsgruppen und führten dazu, dass auch der Albverein sein Portfolio erweiterte und Radtouren, Skitouren, Rund- und Fernwanderungen anbot.

Ein wesentliches Anliegen waren schon immer der Naturschutz sowie die Pflege und Erhaltung unser Kulturlandschaft. Viele Ortsgruppen übernahmen Patenschaften für Maßnahmen zur Erhaltung von Natur und Umwelt.Beispiele sind die Aktionen Schafberg und Irrenberg, die bis heute vom Zollergau durchgeführt werden.

Im Jahr 1986 wurde der Aussichtsturm auf dem Raichberg mit Unterstützung fast aller Ortsgruppen, des Hauptvereins sowie der Stadt Albstadt renoviert. Am 12. Dezember des gleichen Jahres konnten auch die neu renovierten Gasträume des Nägelehauses wiedereröffnet werden. Im Mai Mai 1991 wurde auch die Modernisierung der Fremdenzimmer fertig. Zusammen mit dem Jugendzentrum auf der Fuchsfarm bildet der Raichberg mit Aussichtsturm und Nägelehausdas sichtbare Herzstück des Zollergaus. Ab 1990 wurdenmehrtägige Wanderreisen als Anregung für die Ortsgruppen angeboten.

Im Jubiläumsjahr 1992 hatte der Zollergau fast 7400 Mitglieder in 40 Ortsgruppen. Die Schutzhütten auf Dreifürstenstein und Zellerhorn wurden zum Jubiläum gründlich renoviert, 1998 renovierte die OG Balingen die Lochenhütte. Den höchsten Mitgliederstand hatte der Zollergau im Jahr 2000 mit 8000 Mitgliedern, danach ging die Mitgliederzahl leider zurück auf heute (2017) ca. 7000. Ebenso lösten sich 2010 die OG Haigerloch und 2011 die OG Straßberg auf Auch der Zollergau kann dem generellen Mitgliederschwund aller Vereine nicht ganz entgehen. In den letzten Jahren wurden sowohl die Fuchsfarm als auch das Nägelehaus mehrfach umfassend renoviert und modernisiert, da beide den neuesten Brandschutzbestimmungen nicht mehr entsprachen.Außerdem wurden auch neue Energiesparfenster eingebaut und Elektrotechnik, Kühlräume und Sanitäranlagen auf den neuesten Stand gebracht. Dafür waren Investitionen im hohen 6-stelligen Bereich erforderlich, die der Hauptverein zu stemmen hatte.

Der Zollergau fördert seit vielen Jahren die Wanderführerausbildung und gewährt Zuschüsse. Ab 2004 bis 2011 wurden erfolgreich Gauwanderwochen für Jedermann auch zu Zielen im Ausland angeboten. Leider mußten diese 2012 wegen zurückgehender Teilnehmerzahlen wieder eingestellt werden.Die Hauptversammlungen des Hauptvereins mit Albvereinsfest fanden zuletzt 1980 und 2003 in Ebingen sowie 1999 in Balingen statt und brachten immer viel Arbeit aber auch große Anerkennung der Besucher.

Seit etwa einem Jahrzehnt konnten unter maßgeblicher Des Albvereins im Gebiet der Zollergaus zahlreicheQualitäts- und Premiumwege zertifiziert bzw. eingeweiht werden. Als Beispiele seien genannt : HW1, Donau-Zollernalb-Weg, Die Traufgänge in Albstadt sowie diverse Premiumwege bei Meßstetten und Mössingen.

In der 125-jährigen Geschichte waren und sind für den Zollergau 10 Gauobmänner tätig. in den ersten Jahren waren diese meist nureinige Jahre im Amt und überwiegend Richter, Rektoren und andere höhere Beamte. Erst ab den 1930ger-Jahren wurden auch Angehörige anderer Berufsgruppen gewählt. Die längsten Amtszeiten hatten Willy Baur aus Hechingen 1933 – 1965, also 32 Jahre, Gregor Göt5z aus Margrethausen 24 Jahre lang von 1965 – 1989 sowie unser derzeitiger Gauobmann Josef Ungar aus Margrethausen, der das Amt sei 1998 ausübt.

Die Gauobmänner seit 1892:

H. Knorr Oberamts-
richter
Hechingen 31.01.1892 –
02.12.1894
H. Wippermann Staatsanwalt Hechingen 02.12.1894 –
30.11.1896
Prof. Ehlen Oberlehrer Hechingen 13.12.1896 –
24.01.1906
Friedrich Seitz Realschul-
direktor
Hechingen 24.01.1906 –
08.02.1914
Dr. med. Cluß Arzt Hechingen 08.02.1914 –
12.03.1918
Prof. Karl Baur Oberpräzeptor Ebingen 12.03.1918 –
17.12.1933
Willy Baur Bankdirektor Hechingen 17.12.1933 –

28.03.1965

Gregor Götz Bürgermeister Margrethausen 28.03.1965 –
12.03.1989
Edmund Boss Verwaltungs-
angestellter
Onstmettingen 12.03.1989 –
02.02.1998
Josef Ungar   Margrethausen 07.03.1998 –
heute